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Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen.Paul Zsolnay Verlag ,Wien 2010

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Es dauert zugegebenermaßen einige Seiten bis man in diese komplizierte Familiengeschichte  der jüdischen Bankiersfamilie Ephrussi hineinfindet, doch dann ist man "drinnen" und verfolgt die Schicksale der Familienmitglieder, die eng mit der politischen Entwicklung verzahnt sind. Das Buch läßt den Leser auch verstehen, warum eine Restitution von entwendeten Kunstwerken so wichtig ist.
Mich hat das Kapitel über Paris dazu bewogen, beim nächsten Besuch von Paris (2012) zur Rue de Monceau zu pilgern, wo in einem der zu Ephrussis Zeit neu gebauten palaisartigen Häusern ein sehr interessantes Museum eingerichtet ist, und auch einen Spaziergang durch den nahegelegenen Parc de Monceau zu machen. (Beschreibung siehe unten)


Edmund de Waal wurde 1964 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Er ist Professor für Keramik an der University of Westminster und stelle u.a. im Victoria und Albert Museum und in der Tate Britain aus. Er lebt in London.

Edmund de Waal ist ein Nachkomme der jüdischen Bankiersfamilie Ephrussi, die an Reichtum und Einfluss einst den Rothschilds ebenbürtig war. Charles Ephrussi, Kunsthistoriker, Sammler, Mäzen der Impressionisten und Freund von Marcel Proust, erwarb in den 1870er Jahren die Netsuke und schenkte sie um die Jahrhunderwende seinen Wiener Verwandten Viktor und Emmy, de Waals Urgroßeltern. Bis mit dem "Anschluss" ihre Welt zusammenbrach, residierten sie in einem prunkvollen Ringstraßenpalais, umgeben von Büchern und Kunstschätzen.(Klappentext)

Der Hase mit den Bernsteinaugen: Die Biografie seiner Familie, der Ephrussis, ist ein internationaler Sensationserfolg geworden und wurde bereits in 18 Sprachen übersetzt. Jahrelang hatte de Waal recherchiert, reiste von Odessa, dem Ursprung der Dynastie, über Wien bis nach Tokkio, wo sein Onkel am Ende lebte. De Waals Interesse für die eigene Familiengeschichte entzündete sich nicht zuletzt am Schicksal der 264 Netsuke, japanischer Miniskulpturen des 17. Jahrhunderts, die Teil der Kunstsammlung der Ephrussis waren. Aus: Wiedereroberung der Familiengeschichte,
Standard v. 23. Juni 2012, Album A 3

Rund um den Park von Monceau
Als 1837 die Brüder Péreire die Konzession erhielten, die Eisenbahn unter der Montceauhöhe zu bauen, war dies gegen Ende des Second Empire der Anlass für riesige stadtplanerische Aktivitäten auf der Ebene von Monceau. Im offiziellen Haussmannstil gebaute Häuser stehen neben Nachahmungen der Gotik oder Renaissance.

Der Monceau-Park
(Metro Monceau) (geöffnet 7.00-20.00 im Winter, 7.00-22.00 im Sommer)
Im Jahr 1787 ließ der Herzog von Chartres, der spätere Philippe Egalité, Vater von König Louis-Philippe, nahe beim Dorf „Monceau“ einen der ersten unregelmäßigen Gärten im englisch-chinesischen Stil erbauen. Die Landschaftsplaner Carmontelle und Blaikie entwarfen einen Garten, der wie ein Kuriositätenkabinett im Freien wirkt, das aus den Schönheiten der Natur ebenso Nutzen zieht wie aus den Vorzügen der Zivilisation. Die Natur war durch Flüsse, Haine, Felsen, Grotten vertreten, die Zivilisation durch eine Pagode und ein Tartarenzelt : beide sind nicht mehr vorhanden. Noch heute sieht man aber die ägyptische Pyramide und die Säulenreihe von Naumachia; es handelt sich hierbei um ein bekanntes Bassin, umgeben von den Ruinen einer Säulenreihe und benannt nach den Seeschlachten, wie sie ähnlich den Gladiatorenkämpfen in der Antike aufgeführt wurden.

Dem Park wurde 1793 ein Zollgebäude angefügt, das von der „mur des fermiers généraux“ stammt („Mauer der Steuerpächter): an dieser neoantiken, mit einem Peristyl umgebenen Rotunde des Architekten Ledoux waren die Zölle für alle Waren eingetrieben worden, die nach Paris herein kamen. Der Herzog von Chartres hatte in ihr einen Salon eingerichtet, von dem aus man einen schönen Ausblick auf Paris hatte (Nordseite). Als 1860 der Ort Montceau nach Paris eingemeindet wurde, verkaufte Haussmann die eine Hälfte dieser sogenannten "folie" (Lustschlösschen) von Chartres an die Brüder Péreire zum Bau von herrschaftlichen Privathäusern. Der Park wurde mit einem vergoldeten Gitter und Eingangstoren versehen.  Alphand gestaltete ihn zum englischen Garten um, fügte eine Brücke in italienischem Stil und seltene Pflanzenarten (Zwergbäume) hinzu. Später stellte man im Park eine Arkade von dem Rathausbau auf, den  Aktivisten des Kommuneaufstandes 1871 niedergebrannt hatten.

19- Das Museum Nissim-de-Camondo, 63 rue de Monceau
(Metro Villiers) (Tel. 01 45 63 26 32, geöffnet 10.00-17.00, außer Montag und Dienstag)
Das Gebäude wurde 1914 nach dem Vorbild des Petit Trianon im Park des Schlosses von Versailles errichtet. Architektur und Dekor im Inneren erinnern an die verfeinerte Atmosphäre eines Stadtpalais aus dem 18. Jh. Das Museum besteht aus einer Sammlung von Möbeln, Gemälden, Porzellan, Tafelgedecken, Gold- und Silberschmuck aus dem 18. Jh. Manche Stücke stammen aus den Schlössern der Pariser Umgebung (Montreuil, Saint-Cloud, Versailles). Die Sammlung wurde vom Grafen Moïse de Camondo zusammengebracht, dem Erben einer Familie von Finanziers, die seit dem zweiten Empire in Frankreich heimisch geworden ist. Im Jahr 1936 vermachte er seine Sammlung dem Kunstgewerbemuseum der „Arts Décoratifs“ zum Gedenken an seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn. Mehr noch bewegt das Schicksal der Nachkommen: die ganze Familie wurden in Auschwitz vernichtet.
http://www.parisbalades.com/deutsch/Arrond/8/8emonceau.htm, Zugriff 26.3.2014

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