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Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, Suhrkamp, Berlin 2011

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Dieser Roman ist es wert gelesen zu werden. Vordergründig geht es um das Leben von Hans Blumenberg, einem deutschen Philosophen (1920-1996), der ab dem Jahr 1970 in Münster gewirkt hat und vier seiner Studenten. Beide Welten, die des Professors und die der Studenten, berühren sich nicht. Die Studenten dringen nicht zu ihrem Professor vor.

Was jedoch sofort überrascht, gleich auf der ersten Seite, ist das Auftauchen eines Löwen im Arbeitszimmer von Blumenberg, groß, gelb, müde und nur ihm und später einer alten Nonne sichtbar. Was bedeutet der Löwe? Das beschäftigt Blumenberg und damit auch den Leser. Doch dieser verfügt kaum über die philosophische Bildung, das genau zu erfassen, worüber Sybille Lewitscharoff schreibt.

Und da fangen die Überlegungen an. Ist das wirklich eine Autobiographie von Blumenberg? Anscheinend nicht und doch sammelte der reale Blumenberg gegen Ende seines Lebens Anekdoten über Löwen, die posthum unter dem Titel "Löwen" (2001) erschienen sind.

In einer Kritik (Presse) heißt es: " Der Löwe symbolisiert für die 1954 in Stuttgart geborene Autorin mit bulgarischen Vorfahren sowohl den falschen Löwen Agaues, der Tochter des Kadmos und der Harmonia in der griechischen Mythologie, als auch den Löwen der Psalmisten beziehungsweise des Evangelisten Markus, bis hin zum berühmten Haustier des heiligen Hieronymus, wie Dürer ihn dargestellt hat. Die studierte Theologin (..) verlangt ihrem Publikum schon einiges an Bildung ab."

"Am Ende handelt dieser Roman mehr als von Blumenberg von Sibylle Lewitscharoffs Versuch, die Literatur als ein Medium metaphysischer Fragen auszutesten. Sie benutzt die Figur Blumenbergs, um zu erkunden, wie wir unten den Bedingungen des Rationalismus mit jenen Bedrängnissen umgehen, die der bloßen Empirie nicht zugänglich sind." http:IIwww.zeit.de


Zur Autorin: Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. Für "Pong" erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten die Romane "Der Höfliche Harald" (1999), Montgomery (2003) und Consummatus (2006). Blumenberg (2011) stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Die Lektüre von "Blumenberg" ist für mich sicher der Anlaß, andere Bücher von Lewitscharoff zu lesen und mich über die Autorin zu informen. Aber auch über den Löwen, unter Stichworten  wie  "Agaues", "Markus" und "Hieronymus".

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