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Geschichten über Krems

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1 Geschichten über Krems am Mo Aug 26, 2013 11:04 am

Geschichten über Krems

Wenn ich an Krems in meiner Kindheit denke fallen mir viele Short-Cuts ein, die alle nicht eine ganze Geschichte füllen könnten, doch in der Gesamtheit meine Erinnerung bilden.

Das Schuhgeschäft Freistetter z.B. in das wir immer zuerst gingen, wenn wir Schuhe einkauften. Viel lieber ging ich aber zum Baumgartner da es dort eine Rutsche gab. Diese war rot und führte vom Erdgeschoss in den Keller. Schon als ich viel zu groß dafür war, rutschte ich noch gerne dort hinunter. Auch andere Geschäfte wir zb. Saska sind mir noch in Erinnerung. Dort gab es Kinderspielzeug im Erdgeschoß und im 1.Stock Schreibwaren.

Samstags gingen wir immer zum Grüwan einkaufen, ein kleines Gemischtwarengeschäft, das sich am Beginn der Langenloiserstrasse befand. Manchmal fuhren wir im Anschluss daran auch zur kleinen Tankstelle gegenüber der Firma Breith. Dort gab es nur 2 Tanksäulen und man zahlte direkt beim Tankwart. Ich stieg immer aus dem Auto und roch während des Tankens am Benzin. Im Radio liefen meistens die Nachrichten und ich hörte dabei auf einem dieser Samstage im Juli 1981 vom Tod des Sohnes von Romy Schneider.

In die Volksschule ging ich in die Pädak in der Mitterau. In diesem Stadtteil wollte ich auch immer wohnen. Meine Mitschüler beneideten mich zwar um mein großes Kinderzimmer, den Garten, das Swimmingpool,… ich beneidete die Kinder, die in der „modernen“ Mitterau, damals noch wortwörtlich inmitten der Au gelegen, mit den Rädern fahren und am Abenteuerspielplatz spielen konnten.

Ich verbrachte viele Nachmittage dort bei meinem Freund Stefan. Wir fuhren dann mit den Rädern in die Au. Oft war auch mein kleiner Bruder dabei, der bei Stefan auf dem Gepäcksträger mitfuhr. Die Au war damals noch dicht und für uns eine Abenteuerlandschaft. Es gab wenig befestigte Wege, sehr viele Gebüsche und Verstecke.

Einmal zeigte mir Stefan die Hütte eines Sandlers, die man nur durch ein Loch im Gebüsch erreichen konnte. Wir waren sehr aufgeregt und verboten meinem Bruder aus Sicherheitsgründen mitdurchzukraxeln. Die Hütte war aus Brettern, etwas erhöht über dem feuchten Auboden. Es lagen eine Jacke und eine karierte Decke darin. Als wir ein Geräusch hörten schlüpften wir schnell durch das Loch und fuhren wie der Blitz davon.

Als die Au mitte der Achtziger für den Bau des Finanzamts und der Polizei niedergewalzt wurde und der Boden mit schweren Rüttlern verdichtet wurde, musste ich oft an den Sandler denken. Die Rüttler und Stampfer waren mindestens ein Jahr eingesetzt. Ich hörte diese von meiner Schulklasse aus, da ich damals ins Gymnasium in der Rechten Kremszeile ging. Das durchdringende rhythmische Geräusch ist noch immer in meinem Ohr, sowie auch die Motorsägen, die „unsere Bäume“ umsägten.
Im Turnunterricht gingen wir später häufig zur Donau Joggen und ich dachte oft wie schön es noch war, als der Boden feucht und matschig war.

Als ich 12 Jahre alt war, durfte ich erstmals Nachmittags mit meinen Schulkollegen alleine auf das Volksfest gehen. Dieser Sommer 1987 ist mir gut in Erinnerung. Ich hatte 3000 ÖS gespart und obwohl ich sonst sehr sparsam war, gab ich das Geld ohne Reu auf dieser Ausstellung aus.
Wir fuhren mit dem Piraten, Breakdance, Polyp und Tagada. Als ich heuer auf dem stark veränderten Volksfest die Geräte betrachtete, dachte ich: „die heutigen Jugendlichen würden die Geräte von damals nicht mehr zum Geld-Ausgeben bewegen“

Der Treffpunkt für unsere Streifzüge durch das Volksfest war schon immer der Pavillon und ist es bis heute geblieben. Die Lokale darin haben zwar gewechselt, früher war dort zb. ein Bistro untergebracht, doch als Treffpunkt ist er gleich geblieben.

Als ich älter wurde, traf ich mich mit meinen Freundinnen immer beim Simandlbrunnen oder am Täglichen Markt, für uns „Delka-Platz“ . Wir gingen „in die Stadt“ um zu spechteln. Unter der Woche waren dort eine Menge HLF-Schüler unterwegs, Internatsschüler, die Abwechslung zu den anderen Burschen boten, die wir am Wochenende in den Lokalen Fresko oder Ambiente trafen.
Gerne gingen wir auch zum Hartlauer am früheren Standort, dort wo heute das Lokal „Krems“ untergebracht ist. Ganz hinten im Geschäftslokal waren die Schallplatten und CDs ausgestellt. Ein netter Verkäufer, dessen Name mir leider nicht mehr in Erinnerung ist, philosophierte mit uns immer über die Musikgruppen. Bei seinem Pult konnten wir verschiedene Schallplatten oder CDs anhören, ohne unbedingt etwas kaufen zu müssen und waren musikmäßig dadurch immer am Laufenden. Von meinem Taschengeld kaufte ich manchmal Sampler wie die Bravo Hits und meine Modern Talking Schallplatten. Beim Hartlauer kaufte ich auch die Maxell Crome Maxima II Kassetten, auf die ich einmal gekaufte Schallplatten sofort aufnahm um diese zu schonen. Als meine Eltern 1987 einen
der ersten CD-Player in Krems kauften, entdeckte ich bereits mein Geschäftstalent. Ich nahm die CDs auf Kassette auf und verkaufte das Stück um 50 ÖS an meine Schulkollegen.

Untrennbar mit meiner Jugend verbunden ist auch die Diskothek Mao. Damals, ungefähr 1991 gab es im Kremser Gewerbepark außer dem Bühl-Abhollager, Holz-Steiner und dann der Diskothek Mao nichts, heute nicht mehr vorzustellen. Kein Lutz, kein Hofer, kein Hornbach,… Nur Au.
Alles traf sich am späteren Abend im Mao und wenn man die richtigen Leute kannte, bekam man sogar eine VIP – Karte und konnte damit gratis rein. Mein Taxifahrer Egon von Taxi Ludwig brachte meine Freundin Claudia und mich dann immer nachhause. Er war für uns ein guter Gesprächspartner und auch Psychologe, der sich unsere Geschichten noch weiter anhörte und den Taxometer abstellte, wenn wir schon lange am Steindl angekommen waren.

Das alte Kino am Bahnhofsplatz ist mir ebenfalls noch gut in Erinnerung. Wie voll waren die Säle doch damals, als man daheim noch keinen Beamer oder Plasmafernseher hatte.

Jeder hat Krems anders in Erinnerung, auch mein Sohn wird sich später an Geschäfte und Lokale erinnern, die für Ihn eine spezielle Bedeutung hatten. Genauso wie für meine Großeltern meine Au sicher schon damals nur mehr eine abgespeckte Variante ihrer Au war.

Jede Zeit hat Ihre Erinnerung und so bin auch ich ein Zeitzeuge aus Krems.

Andrea Schiffinger
26.10.2009

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