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Rena Schandl "Natti und John - Die abenteuerliche Reise"

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Rena Schandl "Natti und John - Die abenteuerliche Reise"

… Sie starteten. Iki flog mit mittlerer Geschwindigkeit, und die beiden Kinder folgten ihm. Es war ein deutlicher Unterschied, auf dem Baseball-Feld oder in der freien Natur zu fliegen. Erstens waren sie nun viel höher, der Fluss lag tief unter ihnen, und zweitens: Sie waren mitten im stockfinsteren Wald! Zwar erkannten die Kinder ihre Flugbahn genau, aber rundherum herrschte tiefste Finsternis.
Der Fluss bahnte sich rauschend seinen Weg. Die tausend und abertausend kleinen Wellen spiegelten sich in dem schimmernden Flugnebel, und von oben sah es aus, als würden unzählige silberne Blätter ihrem Ziel, dem mächtigen S’wannee-River, entgegeneilen. Lautlos schwebten die Kinder übers Wasser, als wären sie ein Teil der Natur. Hie und da ein Schwimmtempo, das genügte. Es war nicht ermüdend.
Natti erfasste ein ganz unbeschreibliches Gefühl. Die Nachtstimmung, hoch über dem plätschernden Fluss, zu beiden Seiten eine Hecke aus wogenden Baumkronen ..., nur leiser Wind und die Geräusche des Waldes – und nichts davon war furchterregend! In ihrer Flugbahn fühlte sie sich sicher, die Kügli waren angenehm weich, und von Kälte keine Spur!
„Wie in einem wunderbaren Traum“, dachte sie, als Iki das Zeichen gab, das zur Landung gemahn-te. „Na, wie geht es?“, erkundigte er sich. „Super! Echt super!“, sagte John, und Natti bettelte: „Bitte, fliegen wir gleich weiter!“
„O. k. Dann lege ich einmal ein ordentliches Tempo vor. Ihr fliegt so schnell, wie ihr es euch zutraut. Wir treffen uns an der Mündung zum S’wannee!“ Ssssst – weg war er.
Na, beschaulich war es nun nicht mehr! Aber das machte den beiden Flugschülern ja gar nichts aus. Dem gemächlichen Flug durch die unbeschreibliche Wald-Nacht-Silberfluss-Stimmung folgte ein wahrhaft bombiges Hochgeschwindigkeitsabenteuer. Die zwei schossen in wildem Tempo dem kleinen Iki hinterher. Unten der Fluss, links und rechts der rauschende Wald und oben der pechschwarze Himmel. Und kilometerweit ging es so dahin!
„Jetzt bin ich eine Sternschnuppe!“, jauchzte Natti und genoss es, durch die finstere Nacht zu schießen wie ein Pfeil. Sie hoffte, noch lange nicht am Ziel zu sein. John ging es genauso. Er, der absolut coole Typ, den nicht so schnell etwas beeindrucken konnte, war hin und weg! Er konnte seine Begeisterung nicht mehr verbergen, und er bemühte sich auch gar nicht:
„Ein Wahnsinns-Flug war das! So toll habe ich mir das nicht vorgestellt!“, rief er nach der Landung begeistert. „Und in der freien Natur ist alles noch viel aufregender. Ich hab’ geglaubt, ich wäre ein Adler!“
„Ich dachte ich sei eine Sternschnuppe!“, rief Natti.
„Und ich denke, wenn wir jetzt noch die ganze Strecke zurücksausen, dann ist es genug für heute!“, sagte Iki.

Nun ging es in die entgegengesetzte Richtung. Wieder schossen die drei in Höllentempo durch die Schneise, die der Zypressenwald dem Fluss vor Tausenden von Jahren hatte abtreten müssen.
„Eine Autobahn ist nichts dagegen“, dachte John, und dann fielen ihm die Hochgeschwindigkeitszüge ein, die in den großen amerikanischen Städten die Leute von A nach B brachten. Und dann dachte er noch an Feuerwerkskörper, an Abfangjäger, Mondraketen und an alles, was mit Höchstgeschwindigkeit in der Luft so unterwegs war.
„Morgen gönnen wir uns eine Verschnaufpause, ob ihr nun wollt oder nicht! Übermorgen: same time – same station“, entschied Iki, als sie wieder an ihrem Ausgangspunkt am Seeufer angelangt waren.
„Keine schlechte Idee“, meinte John, „wir werden uns wieder einmal so richtig ausschlafen!“
Da kicherte Iki, dass sein kleines Bäuchlein hüpfte:
„Genau! Gesunder Schlaf ist wichtig für kleine Kinder!“
„Na, du brauchst reden“, empörte sich John. „Bist halb so groß wie wir und nennst uns kleine Kinder! Wie alt bist du denn eigentlich?“
„Tja, das weiß keiner von uns Sternhäuflern so genau. Bei uns gehen die Uhren anders! Wir haben nämlich keine!“, und „hihihi“, lachte er wieder und wieder, und auch noch, als er sich schon in die Lüfte erhoben hatte und nichts mehr von ihm zu sehen war.
„John?“, fragte Natti unsicher, „was tun wir?“
„Wir tun Dinge, Natti, die nicht mit rechten Dingen zugehen.“
Natti machte ein verzwicktes Gesicht:
„Hast du Angst?“
„Nein! Ich doch nicht! Wie kommst du nur auf so eine dumme Idee?“
„Na ja, ich hab’ schon ein wenig Angst.“
„Typisch Mädchen!“, sagte John und verdrehte dabei die Augen, was Natti aber nicht sehen konnte, weil sie sich den Weg durch das finstere Camp bahnen mussten.
„Noch können wir die Sache abblasen“, kam er ihr schließlich zu Hilfe.
Da überlegte Natti kurz und kam zu folgendem Entschluss:
„Nein. Wir würden uns ein Leben lang fragen, was gewesen wäre, wenn ..., also, wenn wir es getan hätten!“
„Wenn du aber Angst hast?“
„Ja, aber meine Neugierde ist stärker!“
„Du fürchtest dich und tust es trotzdem?“
„Ja. Das ist wohl nicht ‚typisch Mädchen‘, hm?“
„Äääh ...“, John kratzte sich am Schopf. „Ziehen wir es also durch?“
„Ja – wir ziehen es durch! Wir fliegen mit Iki nach Teeny-weeny-Star!“

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